1998

Stufe: Wölflinge

Wölflingswirbel (Hallenbad)

Die Wölflingsmeute des Stammes Mauritius machte mit beim bundesweiten Wölflingswirbel. Bei der Erkundungstour durch den Ort entdeckten die Wölflinge, dass sie gar nicht soviel an ihrer Dorf auszusetzen hatten. Doch eines lag allen am Herzen: das seit Jahren geschlossene Hallenbad der Gemeinde Stockstadt. So waren sich die fünf Rudel erstaunlich schnell einig, eine Aktion für unser Bad zu starten. WIr Leiter fanden dieses Thema doch eine Nummer zu groß für uns und plädierten für ein kleineres Projekt mit „Erfolgsaussicht“. Doch unsere Wös waren so begeistert und schon mitten in Planen ihrer Aktion, so dass wir keine Chance hatten.

Sie beschlossen zum Bürgermeister zu gehen, und wir bereiteten uns gut auf den Besuch vor:
Unterschriftenlisten und Plakate wurden entworfen und gemalt, Fragen überlegt und Argumente gesucht. Die Wölflinge sammelten mehrere Hundert Unterschriften und zeichneten Pläne für ihr Wunschschwimmbad. Ein Rudel überlegte sogar, wie man das Freibad überdachen und beheizen könnte. Auch über Möglichkeiten, an Geld zu kommen wurde heftig diskutiert. Allerdings konnten die Kinder sich die Dimensionen, um die es ging, nicht so recht vorstellen. Wir versuchten ihnen durch Reishäufchen den Unterschied zwischen Taschengeld und den Kosten für ein Schwimmbad zu veranschaulichen. Darauf meinte ein Wölfling: „Aber meine Oma gibt uns bestimmt 100,- DM und wenn ihr vielleicht eure Oma auch mal fragt, dann reicht es sogar für eine Superrutsche.“
Ein anderer schlug vor, alle sollten Lotto spielen, weil dann müsse ja wenigstens einer von uns gewinnen.

Als wir dann mit Plakaten und Unterschriften vor dem Rathaus standen und vom Bürgermeister in den großen Sitzungssaal geführt wurden, waren die meisten doch ganz schön aufgeregt. Doch bald hatten sich ihre Scheu verloren und löcherten den Bürgermeister nur so mit ihren Fragen. Der Reporter vom Main-Echo kam kaum mit dem Schreiben nach und meinte anschließend: „Ich hatte gedacht da trauen sich vielleicht drei oder vier etwas zu fragen.“ Und: „Die wussten aber genau, was sie wollten.“
Bürgermeister Lothar Schaffrath nahm sich über eine Stunde Zeit und erklärte den Kindern, was sie wissen wollten. Auch ihn verblüfften die Wös immer wieder mit kritischen Nachfragen und Alternativvorschlägen zu seinen Aussagen, die natürlich nichts an den leeren Kassen der Gemeinde ändern konnten.

Schließlich trugen sie auch noch ihre anderen Anliegen vor und hier konnte der Bürgermeister mehr Entgegenkommen zeigen. Er versprach ihnen, im Sommer Tore auf dem Schulsportplatz aufstellen zu lassen. Außerdem lud er die Meute ein, mitzuwirken, wenn wieder einmal ein Spielplatz der Gemeinde umgestaltet werden würde.

Nach dem langen Stillsitzen im Rathaus feierten wir im Pfarrzentrum ausgelassen unsere Aktion. Die meisten Kinder hatten verstanden, dass Stockstadt in nächster Zeit kein Hallenbad haben würde, Dich die von uns Leitern befürchtet Enttäuschung wurde verdeckt durch Stolz, dass sie im Sitzungssaal mit dem Bürgermeister diskutiert hatten und ernstgenommen wurden. Außerdem würden sie in die Zeitung kommen.

Anika


Der Bericht erschien ursprünglich im „Gemeinsam unterwegs“ der Leiterzeitschrift des Diözesanverband Würzburgs Ausgabe 1/99


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